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Manchmal scheint Trekkingausrüstung eine Glaubensfrage zu sein. Gewichtsfetischisten sind stolz auf jedes eingesparte Gramm und schauen mitleidig auf die Trekker herab, die sich mit ihrem viel zu schweren Gepäck abmühen und auch in der Wildnis nicht auf den gewohnten häuslichen Komfort verzichten wollen. Umgekehrt gelten Ultraleicht-Anhänger oft als "Gearheads" - Ausrüstungsfanatiker - die jeglichen Bezug zum Naturgenuss verloren haben und lieber eine Unterkühlung riskieren anstatt einen Fleecepulli mehr einzupacken. Wie bei vielen Dingen im Leben sind Extrempositionen selten optimal. Die folgenden Überlegungen zeigen, dass dies auch für Ultraleicht-Ausrüstung gilt. Die nebenstehende Abbildung geht davon aus, dass der Komfort auf einer Trekkingtour von zwei Beiträgen abhängt: dem Komfort unterwegs, also wenn man wandert und den Rucksack schleppen muss, und dem Komfort im Camp, wenn man das Lager aufgeschlagen hat, Essen kocht, im Zelt liegt und die Nacht darin verbringt. Der Komfort unterwegs ist als blaue Kurve dargestellt. Am besten wäre es natürlich, wenn man überhaupt nichts tragen müßte. Bei 0 kg liegt der Komfortwert deshalb bei 100%. Einige wenige Kilo auf dem Rücken merkt man kaum. Deshalb fällt die Kurve mit steigendem Gewicht zunächst nur flach ab. Erst ab ca. 10-15 kg wird für die meisten Menschen die Sache unangenehm, und ist man erst einmal bei 20 kg angelangt, dann ist auch das Komfortempfinden nur noch gering. In diesem Beispiel 20%. Wird die Last noch größer, beginnt die Quälerei und der Komfort geht gegen Null. Dieser Verlauf hängt natürlich stark von der körperlichen Leistunsfähigkeit ab. Manche Trekker können problemlos mit 20 kg laufen, andere brechen schon bei 10 kg fast zusammen. Aber der allgemeine Verlauf dieser Kurve ist immer gleich. Der Komfort im Camp verhält sich entgegengesetzt. Bei 0 kg, also ganz ohne Ausrüstung, ist er nahezu Null. Wenn die Witterung nicht allzu extrem ist, wird man die Nacht ohne Schaden überstehen, aber kein Zelt, kein Schlafsack, nichts zu essen - der erste Punkt der violetten Kurve entspricht einer typischen Survivalsituation. Bereits mit wenigen kg der richtigen Ausrüstung gelangt man jedoch schon in Bereiche, wo es sich komfortabel aushalten läßt. Bei 5 kg Gepäck würde man vielleicht das persönliche Komfortempfinden mit 50% bewerten. Schlafsack zu kalt, Isomatte zu hart, aber so einigermaßen hat man doch die Nacht verbracht (auch hier wieder moderate Witterung vorausgesetzt. Bei Extremtouren verläuft die Kurve flacher). Je mehr Ausrüstung man mitnimmt und je höher das Gewicht wird, umso schneller kommt man in einen Bereich, wo zusätzlicher Komfort nur noch mit deutlich mehr Gewicht erreicht werden kann. Die Reise-Espressomaschine, eine megadicke Isomatte, zusätzliche Wechselbekleidung, das Dreipersonenzelt für zwei, usw. Deshalb wird die Kurve zunehmend flacher, je höher das Gewicht wird. Und wie sieht es in der Wirklichkeit aus? Oft hört man die Aussage, dass den Ultraleicht-Trekkern das Wandern wichtiger sei und den anderen das Campieren. Dabei sollte man jedoch bedenken, dass selbst bei 8- oder 10-stündigen Tagesetappen immer noch 14-16 Stunden eines Tages für andere Dinge übrig bleiben. Ausruhen, Essen zubereiten, schlafen, die Umgebung erkunden, usw. Deshalb sind beide Kurven entscheidend und tragen gleichermaßen zum Gesamtkomfort bei. Der Gesamtkomfort ist durch die gelbe Kurve dargestellt. Ihr Verlauf zeigt, dass er sowohl bei extrem wenig Gepäck als auch bei extrem viel Gepäck gegen Null geht. Am linken Ende hat man keinen Schutz, am rechten Ende keine Kraft. Dazwischen liegt der Berg des optimalen Komforts. Im dargestellten Beispiel ist sein Maximum bei ca. 10 kg, ein Gewicht, dass die meisten von uns problemlos tragen können und das gleichzeitig für viele Trekkingtouren (extreme Unternehmungen wiederum ausgeschlossen) ausreichend schützt, wärmt und satt macht. Und genau dieser Komfortberg ist es, den viele Ultraleicht-Trekker zu erklimmen versuchen. In der Gipfelzone (in der Abbildung grau markiert) gilt die Devise: minimales Gewicht bei maximalem Komfort. Wo dieser Punkt genau liegt, muss jeder für sich selbst herausfinden. Individuelles Komfortbedürfnis, die Ausrüstung, das Know-how, und nicht zuletzt die äußeren Bedingungen bestimmen, bei welchem Gewicht dieser Berg zu finden ist. Doch es lohnt sich, ihn zu besteigen. Das kann jeder bestätigen, der schon einmal oben war.
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