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Der Tybag – ein wasserdichter und atmungsaktiver Schlafsack zum Selberbauen
SchlafsackSchlafsäcke gehören neben Rucksack und Zelt zu den schwersten Ausrüstungsgegenständen. Und leider auch zu den teuersten. Für Modelle mit guter Daunenfüllung zahlt man leicht mehrere Hundert Euro. Wer diese Kosten scheut und etwas Spaß am Selbstbau hat, kann sich mit wenig Aufwand eine Kunstfasertüte mit überraschend guten Isolationswerten und optimaler Passform nähen.
Das hier beschriebene Modell ist für Sommertouren bis ca. 12°C Komforttemperatur geeignet. Es besitzt eine wasserdichte, atmungsaktive Hülle, eine Füllung aus schnelltrocknender Polyester-Kunstfaser, wiegt sagenhafte 300 g und kostet weniger als 30 Euro an Material. Wenn das kein verregnetes Wochenende an Omas Nähmaschine wert ist!


In vielen Drachen- oder Bastelläden findet man ein weißes, etwas glitschiges Material, dass ein Mittelding zwischen Stoff und Folie ist: Tyvek. Die genaue Bezeichnung des Herstellers DuPont ist 1431N. Es besteht aus miteinander versponnenen und verschmolzenen Polyethylenfasern und wird hauptsächlich zur Herstellung von Einwegbekleidung wie Schutzanzügen, Überziehschuhen oder Hygienehauben verwendet. In den Achtziger Jahren gab es auch mal bedruckte Windjacken aus dem knittrigen Zeugs.
In den USA wird eine dickere und steifere Variante von Tyvek beim Hausbau verwendet und von den Ultraleichttrekkern dort als Groundsheet eingesetzt. In Europa kennt man dieses Material von wasserfesten Briefumschlägen. Es fühlt sich an wie dickes Papier, ist aber viel reißfester.

Die mechanische Belastbarkeit von Tyvek ist insgesamt nicht so gut wie die von typischen Geweben, aus denen leichtgewichtige Schlafsackhüllen normalerweise bestehen (Pertex Quantum, Pertex Microlight, Gore-tex, etc.). Dennoch ist die Stabilität bei nicht allzu grober Behandlung völlig ausreichend. Dafür sind die anderen Eigenschaften sehr vielversprechend. Tyvek ist nahezu wasserdicht (Wasserdurchgangswiderstand nach ISO 811: 120 cm), es ist atmungsaktiv (Luftdurchlässigkeit nach ISO 5636-5: 20s/100ml, Wasserdampfduchlässigkeit nach ASTM E398: 1700g/qm*24h), es ist leicht (41 g/qm), es läßt sich gut verarbeiten (sowohl mit Schere als auch mit der Nähmaschine), und es ist sehr preiswert (meist weniger als 4 Euro/qm).

Schaut man sich das Tyvek vom Typ 1431N genauer an, so erkennt man eine glatte und eine raue Seite (siehe Bilder oben). Die glatte erinnert an eine Plastikfolie, fühlt sich aber dennoch angenehm seidig auf der Haut an. Die raue Seite ähnelt beim Darüberstreichen einem weichen Stoff. Auf dieser Seite sind die Fasern so fein, dass selbst kleinste Hautunebenheiten oder Schüppchen sich mit der Oberfläche verhaken und ein etwas kratziges Gefühl erzeugen. Diese Seite eignet sich deshalb besser für die Innenseiten der Schlafsackhülle, wo sie die Isolationsschicht am Verrutschen hindert. Frisch von der Rolle ist Tyvek glatt und faltenlos. Bei Gebrauch ändert es jedoch schnell sein Aussehen und verliert seinen „Foliencharakter“, wie in der nebenstehenden Abbildung zu sehen.

Für die Isolation selbst habe ich ein Hochbausch-Polyestervlies verwendet, das man in vielen Stoffläden bekommt. Es ist zur Füllung von Kissen gedacht, besitzt eine Dicke von 2 cm (siehe Bild) bei einer Rollenbreite von 150 cm. Sein Gewicht liegt bei etwa 120 g/qm. Für Sommerschlafsäcke sollte eine Lage Vlies ausreichen, für Dreijahreszeitenmodelle (d.h. bis knapp über den Gefrierpunkt) sind 2 Lagen ideal, und für Wintermodelle dann je nach Bedarf 3 oder mehr Lagen. Als Faustregel gilt, dass jeder Zentimeter Isolationsdicke die Wärmeleistung um ca. 4°C steigert.

Das im Folgenden beschriebene Schnittmuster hat einige Besonderheiten. Zum einen ist es geeignet, um daraus einen „Half-Quilt“ herzustellen, also eine Decke, die lediglich bis über den Bauchnabel reicht. Am unteren Ende befindet sich eine Fußbox, die Zugluft verhindert und die Decke an ihrem Platz hält. Am oberen Ende und an beiden Seiten sorgt eine ungefüllte Tyvek-Schürze dafür, dass keine warme Luft entweichen kann. Eine solche Konstruktion ist für Sommernächte ideal, besonders wenn man sie in Kombination mit einer leichten Fleecejacke und einem Windshirt für den Oberkörper einsetzt.
Die Herstellung ist einfach (siehe Bild). Nehmen Sie ein Stück Tyvek mit den Maßen 150 cm x 150 cm, raue Seite nach oben. Kleine Personen können die vertikale Länge etwas kürzer wählen, so dass bei ausgestreckten Beinen die Füße noch Luft haben, die Decke aber noch bis zum Brustkorb den Körper bedeckt.
Darauf kommt eine Schicht Polyestervlies, das Sie trapezförmig zugeschnitten haben. Die obere Kante sollte für schlanke Personen 120 cm breit sein. Unten reichen 80 cm aus.
Über das Vlies legen Sie eine zweite Tyvekschicht, ebenfalls als Trapez zugeschnitten, raue Seite diesmal nach unten und vernähen alle drei Lagen an der Kante des Trapezes entlang, wie mit der gestrichelten Linie angedeutet. Hierbei verwenden Sie am besten einen Polyesterfaden, stellen die Stichlänge der Nähmaschine auf 3 oder 4 mm und reduzieren den Anpressdruck des Nähschlittens soweit es geht.
An der oberen Kante des Quilts werden die Abschnitte der zweiten Tyvekschicht angenäht, so dass eine weiche Schürze entsteht, die das Entweichen der warmen Luft nach oben hin verhindert. Jetzt fehlt nur noch die Fußbox. Falten Sie dazu die Decke entlang der gepunkteten Linie und vernähen Sie die Kante entlang der Füllung, also 40 cm lang. Die so entstandene Box auf links drehen, und fertig ist der 300 g leichte Half-Quilt (siehe Bild).

Das gleiche Schnittmuster kann zudem für einen vollwertigen „Halfbag“ benutzt werden. Darunter versteht man einen Schlafsack, der ebenfalls bis zur Hüfte reicht (auch hier zieht man nachts einen Fleecepulli oder die sowieso vorhandene(n) Jacke(n) an), der jedoch rundherum geschlossen ist, genau wie herkömmliche Modelle. Unter Alpinisten sind Halfbags weit verbreitet. Kein Wunder, denn am Berg ist Gewichtsersparnis manchmal entscheidend für den Gipfelerfolg, von dem Gewinn an Sicherheit mal ganz abgesehen.

Alle drei Lagen werden dazu trapezförmig zugeschnitten, und die obere Zugluftschürze entfällt ebenfalls. Danach wiederum entlang der gepunkteten Linie falten und die Fußkante sowie die beiden Seitenkanten miteinander vernähen. Auch hier wieder der sauberen Optik zuliebe auf links drehen. Wer es komfortabel mag, näht die Seitenkanten nicht direkt zusammen, sondern setzt eine dünnen Reißverschluß ein. So wird der Ein- und Ausstieg noch bequemer, obwohl bei einem Halfbag nicht wirklich notwendig.
Als letztes fehlt nur noch ein dünnes Gummiband für die Einstiegsöffnung. Nehmen Sie einen 4 cm breiten und 120 cm langen Streifen Tyvek, falten in längs und nähen die offene Seite an die Oberkante des Schlafsacks, so dass ein Kanal für das Gummiband entsteht. Dieses läßt sich am einfachsten durchziehen, indem man das eine Ende des Bandes an eine Sicherheitsnadel knotet und dann vorsichtig durch den Kanal schiebt. Zum Schluß werden die beiden Gummienden mit einem kleinen Tanka gesichert (Siehe Bild).

Eine technische Anmerkung zum Schluß: Insgesamt ist die Isolationsfähigkeit des Quilts und besonders des Halfbags erstaunlich gut. Das liegt daran, dass die Tyvek-Hülle weniger atmungsaktiv ist als normale Stoffgewebe. Genauso wie eine spezielle Dampfsperre (auch Vapor Barrier Liner, VBL, genannt) die Wärmeleistung eines Schlafsacks um einige Grad erhöht, indem die Verdunstung der Feuchtigkeit reduziert bzw. ganz vermieden wird, so fungiert auch die innere und äußere Tyvek-Schicht als halbdurchlässige Barriere für Wasserdampf. Die Folge: mehr Wärme bei weniger Gewicht, aber auch manchmal ein etwas „schwitzigeres“ Mikroklima, je nach Temperatur und Luftfeuchtigkeit. Wenn man das akzeptiert, steht einem superleichten Schlafvergnügen nichts im Wege.
Kommentare
paddelpaul am 15. Februar 2008 15:46
hi stefan,
bin neu bei euch eingestiegen und muß jetzt erst mal checken was es alles so gibt.
habe vor zwei tagen diesen beitrag über tyvek gelesen, bin auf das stichwort schutzanzüge hin gleich in den aldi, wo es zur zeit maleranzüge im 2erpack für 2,50 gibt. das zeug sieht verdammt ähnlich aus wie dieses tyvek, weißt du obs das ist? sehr leicht, ziemlich reißfest, wasserdichtigkeit und dampfdurchgang muß ich noch checken. die teile wären jedenfalls als basismaterial für schlafsacküberzüge und inletts superperfekt, weil weitgeschnitten. einfach die beininnennähte öffnen,die beine zusammennähen, fertig. sogar eine kapuze haben die dinger. ach ja, gewicht: 122 gr. in xxl !!!
gruß, paul
Stefan am 19. Februar 2008 18:12
hi paul,
willkommen hier auf unserer website! zu den aldi-schutzanzügen kann ich nichts sagen, aber wenn du schon einen zweierpack gekauft hast, kannste ja mal selbst testen, wie reissfest oder wasserdicht die sind und dann hier berichten.

grüße,
stefan
paddelpaul am 27. Februar 2008 15:32
hi stefan,
das war wohl nichts! das zeug ist aus polypropylen,keine wassersäule,aber kondenswasser dürfte es abhalten.besonders reißfest ist es auch nicht, windabweisend schon + auch ein wenig atmungsaktiv. werde noch ein bißchen damit rumspielen, der ganz große knaller ist es jedenfalls nicht.
gruß, paul
Wolfgang B am 24. Februar 2009 19:43
Danke! Hab mich inspirieren lassen:
http://www.liegerad-online.de/tour16.htm

Gruss, Wolfgang
teeta3 am 26. Juni 2009 15:41
Hallo,

ja ein interessantes Projekt, ich habe eine Frage:
Sollte man als Stoff z.Bsp. anstatt Tyvek ein winddichtes aber atmungsakives RS-Nylon nehmen, braucht man dann mehr Isolation?
Ich möchte gern eine dreijahreszeiten Tüte machen, weil mein Hängematten-Schlafsack leider 2,15 kg wiegt und überhaupt nicht in den Rucksack passt
Was ich auch noch zuhause hab ist ein beschichtetes grünes Ripstop-nylon aber nicht atmungsaktiv. Mit der Isolation meint Ihr einfache "Bastelwatte" oder hochwertige Primaloft??
Viele Grüße
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