Trekking-Stativ selbstgebaut
Geschrieben von Stefan am 21. Februar 2007 13:39
Wenn es ums Fotografieren und Filmen geht, haben Trekker es besonders schwer. Es gibt viele Situationen, wo man ohne ein vollwertiges Stativ unscharfe Bilder oder verwackelte Filmaufnahmen riskiert. Aber muss man wirklich ein kiloschweres Dreibein durch die Gegend schleppen, nur um den unvergesslichen Sonnenuntergang einzufangen oder das elektronische Auge ruhig und gleichmäßig über die Landschaft gleiten zu lassen?
Der folgende Artikel beschreibt, wie man mit Hilfe eines umgebauten Tischstativs, zwei Trekkingstöcken und zwei Heringen fast schon in die Profiliga der Naturfilmer vorstößt. Und das bei einem Mehrgewicht von gerade einmal 30 Gramm.
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Wenn es ums Fotografieren und Filmen geht, haben Trekker es besonders schwer. Es gibt viele Situationen, wo man ohne ein vollwertiges Stativ unscharfe Bilder oder verwackelte Filmaufnahmen riskiert. Aber muss man wirklich ein kiloschweres Dreibein durch die Gegend schleppen, nur um den unvergesslichen Sonnenuntergang einzufangen oder das elektronische Auge ruhig und gleichmäßig über die Landschaft gleiten zu lassen?
Der folgende Artikel beschreibt, wie man mit Hilfe eines umgebauten Tischstativs, zwei Trekkingstöcken und zwei Heringen fast schon in die Profiliga der Naturfilmer vorstößt. Und das bei einem Mehrgewicht von gerade einmal 30 Gramm.
Ich muss vorausschicken, dass die nachfolgend beschriebene Bauanleitung etwas speziell ist. Man braucht dazu ein ganz bestimmtes Ministativ, ein Paar meiner selbstgebauten Carbonstöcke und Heringe aus dünnem Titandraht. Aber wer außer mir benutzt schon genau diese Kombination?
Zum Glück ist die Grundidee dahinter aber auch mit vielen anderen Komponenten umsetzbar. Deshalb habe ich versucht, die Beschreibung zu verallgemeinern und, wo es möglich ist, Alternativen vorzuschlagen. Dadurch ist man nicht auf meine spezielle Ausrüstungskombination angewiesen und kann sein eigenes Equipment verwenden.
Dreh- und Angelpunkt in jeder Hinsicht ist ein handelsübliches Ministativ. Ich habe ein Modell von Kaiser genommen, wie man es z.B. hier kaufen kann. Andere Ministative sind ähnlich aufgebaut und sollten genauso verwendbar sein. Das Kaiser-Stativ besitzt einen Kugelkopf aus Kunststoff und drei ausziehbare Beinchen aus Metall. Mit einer kleinen Stellschraube läßt sich der Stativkopf in jeder beliebigen Position feststellen. Zieht man die Schraube nur leicht an, kann man die daran befestigte Kamera bewegen, sie bleibt aber in ihrer Position, wenn man sie losläßt.
Es empfiehlt sich zunächst zu kontrollieren, ob die Kugel auch gleichmäßig rund ist. Bei meinem Stativ habe ich mit feinem Schleifpapier einen Grat entfernt, der bei der Herstellung zurückgeblieben war. Jetzt läuft die Kugel viel gleichmäßiger in ihrer Fassung und hakelt nicht mehr.
Danach werden alle drei Beine des Stativs mit einer Metallsäge vorsichtig abgeschnitten. Und zwar soweit, dass nur noch das oberste Segment der Teleskopbeinchen stehenbleibt. Die Beine sollten hinterher nicht kürzer als 3 cm sein, aber auch nicht länger als bis zum „I“ des KAISER-Schriftzugs reichen. Bei diesem Stativmodell haben die Beine einen Außendurchmesser von 10 mm und passen deswegen – was für ein praktischer Zufall – perfekt in das Carbonrohr am oberen Griffende der Trekkingstöcke hinein. Bevor man das jedoch ausprobiert, sollte man die Schnittkante mit einer Feile entgraten und dann jedes der drei Beine mit einem etwa 2 cm langen Längsschnitt versehen. Dadurch wird der Rohrdurchmesser etwas elastisch und passt dann schön satt klemmend in den Trekkingstock hinein.
Möchte man anstatt der Carbonstöcke herkömmliche Trekkingstöcke verwenden, bieten sich zwei Alternativen an. Entweder man bohrt in die Griffe oben ein passendes Loch, wobei man darauf achten muss, wo man die Bohrung ansetzt und wie tief dieses sein kann, ohne die Griffschlaufe zu beschädigen. Eine zweite Möglichkeit ist, die beiden beweglichen Beinchen des Kaiser-Stativs komplett zu entfernen und durch zwei dünne, etwa 30 mm lange Schrauben zu ersetzen. Dann braucht man oben am Trekkingstockgriff nur zwei passende Bohrungen anzubringen, in die sich die Schrauben reinstecken lassen.
Einbein – Zweibein – Dreibein
Was gibt es nun aber für Möglichkeiten, Trekkingstöcke als Stativbeine zu verwenden? Die einfachste ist zweifellos das Einbeinstativ. Dazu wird das zentrale Bein des Ministativs in einen Trekkingstock gesteckt. Gegenüber dem Fotografieren oder Filmen mit freier Hand bietet ein Einbeinstativ bereits einen erheblich besseren Schutz gegen Verwackler. Von der Firma Leki gibt es sogar einen speziellen Trekkingstock, der eine Stativschraube am Griffende fest eingebaut hat.
Ein Zweibeinstativ wird mit zwei Trekkingstöcken aufgebaut, wobei die beiden Stockenden auf die beiden äußeren beweglichen Füße des Ministativs gesteckt werden. Dadurch wird beim Fotografieren jede Bewegung in horizontaler und vertikaler Richtung verhindert. Nur entlang der Blickrichtung der Kamera besteht jetzt noch Verwacklungsgefahr. Dieser Aufbau entspricht dem eines Schnurstativs, ist aber deutlich stabiler.
Möchte man die Kamera vollständig fixieren, so braucht man eine Stabilisierung auch entlang der dritten Achse. Auch hier bieten sich wieder mehrere Möglichkeiten an:- Man nimmt einen dritten Trekkingstock - falls vorhanden - und steckt ihn auf das mittlere Stativbein. Hierbei ist es besser, wenn die Beinchen etwas länger als 3 cm geblieben sind, damit sich die Griffenden nicht gegenseitig behindern.
- Man befestigt eine Abspannleine am Stativkopf und verankert das andere Ende mit einem Hering so im Boden, dass ein Dreibein gebildet wird. Zieht man nun mit der linken Hand die Kamera beim Fotografieren in die entgegengesetzte Richtung, so dass die Schnur gut gespannt ist, kann man mit der rechten bequem Kamera und Auslöser bedienen. Diese Kombination aus Schnurstativ und „Feststativ“ ist für mich auf den meisten Touren mittlerweile die bevorzugte Lösung. Falls man beide Hände für die Kamera frei haben will, kann man eine zweite Abspannschnur geeigneter Länge um den Körper schlingen und somit die Schnur gespannt und damit den Stativkopf ruhig halten. Tipp: Noch besser als eine Abspannleine eignet sich ein Stück dehnungsarme Drachenschnur aus Dyneema.
- Wenn man auf ein feststehendes Dreibein nicht verzichten will, baut man sich ein passendes drittes Bein aus Carbonrohren. Das obere Ende muss in jedem Fall einen Innendurchmesser von 10 mm haben. Beispielsweise kann man zwei 12/10-er Rohre nehmen, die ca. 60 cm lang sind. In eines der beiden klebt man an das eine Ende eine 10/8-er Innenmuffe hinein, das andere Ende versieht man mit einer Gummikappe. So kann man die beiden Teile vor dem Fotografieren zusammenstecken. Bei Nichtgebrauch verschwinden die beiden Rohrsegmente im Rucksack. Tragbares Zusatzgewicht in diesem Fall: ca. 60 g.
Kameraführung
Bei Filmaufnahmen ist es manchmal nützlich, die Kamera ruhig und gleichmäßig schwenken zu können, beispielsweise um wirkungsvoll ein Panorama einzufangen. In professionellen Naturdokumentationen sieht man oft folgenden Ablauf: Feste Bildeinstellung, dann langsamer Kameraschwenk nach recht, danach sanftes Abbremsen bis zum Stillstand.
Ob mit oder ohne Stativ - mit der Hand direkt an der Kamera ist sowas nur schwer möglich, besonders wenn das Gerät sehr leicht und damit anfälliger für Verwackeln ist. Was fehlt, ist eine feinfühlige Führung. Am einfachsten realisiert man diese mit zwei „Hebelarmen“, die am Stativkopf befestigt werden. Je länger die Hebel, umso stärker werden Unregelmäßigkeiten in der Bewegung beim Schwenken „untersetzt“, d.h. verringert.
Soweit die Theorie. Was tun in der Praxis? Auch hier kann man sich mit Dingen behelfen, die man eventuell sowieso als Teil der Ausrüstung dabei hat. Heringe aus dünnem Titandraht zum Beispiel.
Um diese zu verwenden, bohrt man in den Rand der Stativschraube Löcher, in die die Heringe genau reinpassen sollten. Ich habe für meine Heringe einen Bohrer mit 3,2 mm Durchmesser verwendet und insgesamt acht Stück rund um die Rändelschraube herum angebracht. Eine Tischbohrmaschinenhalterung hilft dabei, die Löcher gleichmäßig und konzentrisch in die dünne Kunststoffscheibe zu bohren.
Dann steckt man zwei Heringe senkrecht zueinander angeordnet in die Löcher, damit man die Bewegung der Kamera in sämtliche Richtungen optimal kontrollieren kann. Nur in Kombination mit einem Einbeinstativ sollte man lediglich einen Hering als Hebel verwenden und die Kugelkopfschraube feststellen. Mit der zweiten Hand muss man ja sowieso das Stativ halten. Damit kann man die Kamera kontrolliert um die Trekkingstockachse drehen.
Hat man keine Drahtheringe, behilft man sich einfach mit zwei dünnen Carbonfaserröhrchen (z.B. Avia CFK-Rohr 3.1 mm x 1.8 mm x 1000 mm) und einer Länge von etwa 20 bis 30 cm. Sie wiegen nur wenige Gramm und fallen deshalb so gut wie nicht ins Gewicht.
Damit ist das ultimative, minimalistische, multifunktionale High-Tech-Stativ fertig für den Einsatz. Klar, im Vergleich zu einem „richtigen“ Stativ ist es etwas umständlicher im Aufbau, etwas wackeliger im Einsatz und etwas unpräziser in der Führung. Aber wenn man für 3% des Gewichts über 90% des Nutzwertes bekommt, wird man das in vielen Fällen gerne in Kauf nehmen. Zudem ist es ein gutes Beispiel für das Ultraleicht-Prinzip: Maximaler Nutzen bei minimalem Gewicht.